Mai 20 2014

Leverkusen – Hello Kitty Auto Export: Die Katze zeigt die Krallen


Auch an Freiertagen erreichbar…

Hello Kitty ist wohl eine der bekanntesten fiktiven Figuren der Neuzeit. Die von der japanischen Desigerin Yuko Shimizu erfundene kleine weiße Katze mit der roten Schleife ziert mittlerweile mehr als 20.000 Produkte und spielt ihrem Markeninhaber, der japanischen Firma Sanrio jedes Jahr etwa eine Milliarde US-Dollar in die Kassen.

Doch das Umsatzwachstum des vornehmlich in Asien und Amerika operierenden Unternehmens ist ins Stocken geraten, und so hat sich der japanische Lizenzgeber entschlossen, ins lukrative deutsche Auto-Export-Geschäft einzusteigen.

Für den Einstieg ins schwer umkämpfte deutsche Business ist den Japanern auf Anhieb ein werbetechnischer Glücksgriff gelungen: Auf einem Leverkusener Großraumparkplatz eines Möbelhauses hat an einem langen Samstag keine andere als Reality-TV-Star und Stil-Ikone Daniela Katzenberger öffentlichkeitswirksam die jetzt schon zu Mondpreisen gehandelte Karte an die Fahrzeuge geklemmt!

Trivia: Durch den Ansturm von über 5.000 über Facebook verständigter Fans, die gleich welchen Geschlechts in rosaroter Garderobe und auf Stöckelschuhen erschienen waren, musste die Polizei erstmalig die Autobahnabfahrt Leverkusen für 90 Minuten sperren. Daniela Katzenberger wurde wegen der tumultartigen Szenen von der Polizei auf richterliche Anordnung für 24 Stunden in Sicherungsverwahrung genommen. Die umgesetzte Forderung des Reality-TV-Stars die Arrestzelle in rosarot zu streichen und und mit unzähligen Hello-Kitty-Assecoires auszustatten, führte zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses und hat den damaligen Polizeipräsidenten von Leverkusen den Job gekostet.

Der Privatsender VOX hat die Verteilaktion und das anschließende Geschehen mit der Filmkamera begleitet und zu einer 45-minütigen Doku-Soap verarbeitet, die über die Vox-Mediathek (0,99 €) abrufbar ist.

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:

Trash-Wert von Bildern und Grafiken:

Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:

Kundenansprache/Ankaufpsychologie:

Gesamteindruck: (eigentlich 6 von 5)


Aug 23 2012

Der große Flausch-Angriff: Autokärtchenverteiler setzen auf Katzenbabies und Eisbären


Als Flausch bezeichnete man ursprünglich dicken und weichen Wollstoff mit einer aufgerauhten und besonders “kuscheligen” Oberfläche. Der Duden weist auf die Verwandtschaft zu Vlies hin und nennt als Ursprung des Wortes das Niederdeutsche (mittelniederdeutsch vlūs(ch) = Wollbüschel; Schaffell).

Im Internet machen sich immer mehr Menschen die Beliebtheit des Flauschs zunutze und setzen konsequent auf Wohlfühl-Inhalte, sogenannten Flausch-Content. Typische Vertreter dieser Gattung sind die beliebten Bilder von Tierbabies, namentlich Katzenbabies. Unbestätigten Gerüchten zufolge entfällt ein beträchtlicher Teil des weltweiten Datenverkehrs bei Facebook auf derartige Katzenfotos!

Dieser Trend ist natürlich auch der Kunstszene der Autoankäufer nicht unverborgen geblieben, und so setzt man neuerdings auch dort konsequent auf Flausch. Für die Bildgestaltung entscheidend ist die Frage, welcher künstlerischen Schule sich der Autokärtchenverteiler zugehörig fühlt. Hier wurden in letzter Zeit vor allem zwei Strömungen beobachtet: Die konservative Schule, die auf Abbildungen von Felis silvestris catus (gemeine Hauskatze) setzt und die moderne, sogenannte “Neue” Schule, die den Ursus maritimus (Polarbär) in den Mittelpunkt ihres Œuvres rückt.

In der folgenden Bildpräsentation haben wir jeweils drei klassische Vertreter der verschiedenen Richtungen gegenübergestellt.

Beachten Sie wie durch kleine Eingriffe völlig neue Bildwirkungen entstehen. Ob bei den ersten beiden Katzenbildern durch simplen Austausch des Bildhintergrunds von Weiß zu Schwarz oder bei den ersten beiden Bärenbildern durch das vertikale Spiegeln des Bildmotivs. Ein sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch unter Marketinggesichtspunkten herausragendes Exponat liegt mit dem Kunstwerk “Knut Automobile” vor, das den leider viel zu früh von uns gegangenen Eisbären in einer gelungenen Bildkomposition zeigt. Dass der Schaffer dieses Kunstwerks sogar seine Unternehmung nach dem Flauschträger benannt hat (“Knut Automobile”) zeugt von authentischer Tierliebe, wahrer Herzensbildung und unverfälschtem Geschäftssinn.



Nov 01 2011

Die Bedeutung der Flügeltür auf zeitgenössischen Werbekärtchen von Autoankäufern


Der Bestimmung und Deutung von Motiven in Werken der Bildenden Kunst kommt eine bedeutende Rolle zu, wenn man sich als Betrachter einem Bildnis nähert. Aber auch im kunsthistorischen Sinne betrachtet handelt es sich bei der  Ikonographie (griech.: eikon “Bild” und grafeïn “schreiben”) um die wissenschaftliche Standardmethode, um den Inhalt und die Symbolik eines Bildes zu interpretieren.

In der noch jungen Geschichte zeitgenössischer Autokärtchenkunst zeichnen sich bestimmte Trends der Bildsymbolik ab, die es zu entschlüsseln gilt. So tauchen auf vielen Werken der von weiten Teilen der Galeristen- und Museumsszene leider immer noch sträflich abgelehnten Kunstgattung typische, stets wiederkehrende charakteristische Kennzeichen auf. Eines dieser häufig eingesetzten visuellen Merkmale stellt die Autotür dar, die mit einem Anschlag im Dachbereich nach oben geöffnet wird: die sogenannte Flügeltür.

Dieses Symbol geht umittelbar auf die Sagen und Mythen des antiken Griechenlands zurück, denn einer der zwölf bedeutenden Götter der olympischen Antike ist der auf Bildnissen und Skulpturen oftmals mit einem geflügelten Helm dargestellte Hermes (griechisch Ἑρμῆς, auch Hermeias Ἑρμείας, dor. Hermas Ἑρμᾶς).

Es ist kein Wunder, dass sich gerade die Zunft der Autoankäufer und Fahrzeugexporteure der tradierten Bildsprache bedient und bevorzugt auf Abbildungen von Autos mit Flügeltüren zurückgreift: Hermes ist der Schutzgott des Verkehrs und der Reisenden, aber auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler und der Redekunst…

(Obwohl sich im Falles des griechischen Gottes Hermes die Flügel der Mythologie nach eigentlich an den Stiefeln befanden und ihr fahrzeugtechnisches Äquivalent genau gesehen als Kotflügel hätten. Die mit Ausscheidungsprodukten konnotierten Kotflügel erschienen den Künstlern jedoch wahrscheinlich zu profan und so hat man sich für die wesentlich spektakuläreren, himmelwärts aufstrebenden Flügeltüren entschieden.)

Anmerkung: Dass es sich hier im technischen Sinne eigentlich um Scherentüren handelt, sei hier nur kurz angemerkt und ist nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchung.



Aug 15 2011

Kiel – Auto CE Nord: Im Angesicht des Riffs


Wie man erkennen kann, dass ein Autoankäufer etwas taucht

Aus dem Norden Deutschlands erreicht uns das abgebildete Kunstwerk des Ateliers Auto CE Nord, das in den Farben der Landesflagge Schleswig Holsteins blau, weiß, rot gehalten ist.

Geschickt nutzt der Künstler die vorgegebene Drittelung für die Strukturierung des Werks. Den Anfang macht der obere blaue Bereich, der für die Vorstellung des Firmennamens und zur Kontaktanbahnung genutzt wird. Dazu bedient sich der Künstler einer rhetorischen Figur und fragt geradezu unschuldig: “Sie wollen Ihren Wagen verkaufen?“.

Im mittleren weißen Teil des Kunstwerks werden das Ankaufspektrum aufgezählt und die Vorteile einer geschäftlichen Transaktion erwähnt (Ich zahle den höchsten Preis. Bargeld sofort.), gefolgt von der obligatorischen Handlungsanweisung: “Rufen Sie mich an…

Was sparen Sie persönlich? Sie sparen Werbung & Zeit.

Im roten Block des unteren Drittels spielt der Kreative seine gesamte Könnerschaft aus. Er stellt die alles entscheidende Frage: “Was sparen Sie persönlich?“, um sie sicherheitshalber gleich selbst zu beantworten: “Sie sparen Werbung & Zeit.” Ein mutiger Trick, den er noch zu Beginn des Werks nicht gewagt hat, als er danach fragte, ob der Kärtchenempfänger sein Auto verkaufen wolle.

Die Rückseite des künstlerischen Autokärtchens ziert eine spektakuläre Unterwasserszene: Zwei Taucher schwimmen durchs Blau des Ozeans geradewegs auf ein Korallenriff zu, an dem sich farbenfrohe Südseefische tummeln.

Diese anregende Szenerie kann dank der Großzügigkeit des Künstlers jeder Autoverkäufer am eigenen Leib erfahren: “Bei Kauf Ihres Fahrzeugs erhalten Sie einen Gutschein für´s Schnuppertauchen!

Wobei natürlich keiner weiß, ob der Gutschein sich auf einen Schnupperkurs am australischen Barrier Reef (Anfahrt ist selbst zu zahlen) bezieht oder den Besuch des Hallenschwimmbads von Neumünster umfasst. Insofern bleibt es leider im Unklaren, ob das Angebot wirklich etwas taucht…

 

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:
Trash-Wert von Bildern und Grafiken:
Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:
Kundenansprache/Ankaufpsychologie:
Gesamteindruck:


Aug 08 2011

Der große El-Masri und die zwei verschwundenen Porsches von Deck der MSC Fantasia


Auf einer Kreuzfahrt kann man was erleben

Der große El-Masri ist bereits seit längerem in der Auto-, Seefahrts- und Unterhaltungsindustrie tätig und kann mittlerweile auf ein beeindruckendes Œuvre zurück blicken.

Drei seiner Werke wurden von uns zu einem senkrechten Triptychon zusammenmontiert.

Was zunächst in´s Auge fällt: Anders als seine meisten Kollegen, die sich für den Transport der Altautos in den Ostblock oder nach Afrika günstiger Containerschiffe bedienen, setzt der große El-Masri auf ein modernes Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse. Er hat dazu einen Luxusliner erworben, der stolz seinen Namen trägt “El-Masri” bzw. “El-Masri Export” (die ehemals unter panamesischer Flagge fahrende MSC Fantasia).

Wenden wir uns nun den einzelnen Bildern des dreigeteilten Werks zu:

Bild 1 zeigt das Kreuzfahrtschiff auf seinem Weg in ferne Gefilde bei Sonnenaufgang. Beladen mit sieben Sportwagen des Stuttgarter Autobauers Porsche macht sich die El-Masri auf den Weg zu ihrem ach so fernen Zielhafen.

In Bild 2 erkennen wir dieselbe Szenerie wieder, diesmal jedoch eingetaucht in das schummrige Orange der Abenddämmerung. Unerschrocken pflügt die El-Masri durch die Wellen in die endlose Nacht und Weite des Ozeans.

Beide Bilder zusammen genommen symbolisieren den unentwegten und unermüdlichen Einsatz des Autoankäufers und -verschiffers auf den Meeren dieser Welt von früh bis spät.

In Bild 3 kommt es nun zur überraschenden Zäsur. An die Stelle des Firmenschriftzugs ist ein weißer Sportwagen getreten;  der Schriftzug ist dafür nach rechts gerückt. Unterhalb des abgebildeten Fahrzeugs sind als sogenannte “Störer” zwei Textzeilen montiert: “Wir kaufen PKW´s, LKW´s wie gesehen ohne Garantie“. Garniert wird der Satz mit den branchentypischen Deppenapostrophs.

Doch all dies soll den Betrachter nur vom Geschehen an Deck der El-Masri ablenken, denn dort spielen sich unheimliche und vor allem rätselhafte Dinge ab: Von den vormals sieben Porsches sind nur noch fünf Fahrzeuge vorhanden! Wie die zwei fehlenden Autos verschwunden sind? Dies weiß einzig allein Gott, der Allmächtige und El-Masri, der Illusionskünstler der Weltenmeere…

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:

Trash-Wert von Bildern und Grafiken:
Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:
Kundenansprache/Ankaufpsychologie:
Gesamteindruck:


Aug 05 2011

Berlin – RIM Auto Export: Auf dem Containerschiff Richtung Zukunft


Gezielter Einsatz von Sprache schafft Vertrauen und erhöht Street Credibility

Die vorliegende Künstlerkarte der Firma “RIM Auto Export” kommt zunächst unscheinbar daher. Die Vorderseite weist einen von zwei Fahrzeugen eingerahmten mittig angeordneten Firmenschriftzug auf. Die unspektakulären Ankauftexte sind ebenfalls zentriert. Ein roter Block in der unteren Mitte lenkt das Auge des Betrachters auf die Telefonnummer, über welche der Künstler mit dem Rezipient in Kontakt treten möchte (“24 Std. erreichbar”).

Ein sprachliches Gimmick ist im Kleingedruckten versteckt. Über die Substantivierung eines Verbs erreicht der Autor eine gewollte Störung des Textflusses: “Sie brauchen nur einmal klingel zu lassen, wir rufen Sie zurück.” (Hervorhebung von uns).

Die Rückseite des Kunstwerks beginnt mit dem beruhigenden Statement, dass man es mit Gewerblichen zu tun habe (Unser Betrieb ist gewerblich.) und man sich deshalb keine Sorgen machen müsse (Sie brauchen sich deshalb keine Sorgen zu machen!). Geschickt wird zudem mit wechselnden Erzählperspektiven gespielt. Ist es zunächst noch “unser” Betrieb, der gewerblich ist, erscheint plötzlich ein Vertrauen einflößendes “ich“, das die besten Preise (für japanische Autos) zahlt.

Im sprachlichen Bereich ist noch die Apostrophitis-Erkrankung des Künstlers zu nennen, die ihn in einer Hinterhofwerkstatt nahezu jedes “s” im Genitiv oder Plural durch einen Apostroph abflexen lässt. Dies macht sich jedoch nicht negativ bemerkbar, sondern erhöht die dringend benötigte Glaubwürdigkeit, die sog. “street credibility”.

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:

Trash-Wert von Bildern und Grafiken:
Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:
Kundenansprache/Ankaufpsychologie:
Gesamteindruck:


Aug 04 2011

Berlin – Anonymus: Immer interessiert…


Meister des Suspense spielt ganze Könnerschaft aus

Von dem auf äußerste Anonymität bedachten Künstler dieses in leuchtend gelber Signalfarbe gehaltenen Meisterwerks ist lediglich bekannt, dass er sein Autokärtchen-Atelier in der Bundeshauptstadt Berlin unterhält. Zumindest befindet sich dort der Schwerpunkt seiner wirtschaftlichen und künstlerischen Tätigkeit wie der mit Längen- und Breitengradangabe dokumentierte Fundbericht einer aufmerksamen Kartenliebhaberin beweist, die uns das Kunstwerk übermittelt hat.

Bereits nach dem Studium der spannungsgeladenen ersten Textzeilen ist eines mehr als klar: Die Person verfügt über ausgezeichnete Kenntnisse von Theater-, Film- und/oder Literaturwissenschaften. Der gekonnt aufgebaute Erzählstrang lässt vermuten, dass der Künstler der Berliner Schriftstellerszene entstammt und sein Haupteinkommen mit dem Verfassen von Werken aus den Bereichen Mystery und Thriller erzielt.

Der erste Satz soll uns, was den Fortgang der Handlung anbelangt, zunächst in Sicherheit wiegen: Grammatikalisch korrekt und nicht ungeschickt leitet der Autor  mit einer scheinbar sachlichen, geradezu voller naiver Unschuld steckenden Frage den Erstkontakt zum Betrachter ein: “Wollen Sie Ihr Auto jetzt oder später verkaufen?

Dass der Verfasser ein Meister des Suspense ist, beweist er mit dem zweiten kurz gehaltenen Satz. Fünf Worte reichen hier, um den Leser verstört und aufgewühlt zurück zu lassen: “Ich bin immer interessiert und“.

Wie wird es weiter gehen? “Ich bin immer interessiert und… allzeit bereit? ständig verfügbar? stets paarungsbreit?”

Geschickt lässt der Künstler die Antwort auf diese Frage offen und leitet zu seiner Kernbotschaft über: “Dann rufen Sie uns an.“. Eine erzähltechnisch und verkaufspsychologisch meisterhafte Volte: Die hilflose Erregung, in die der Rezipient wegen des ungewissen Fortgangs der Geschichte verfällt, kann nur durch einen Anruf beim Künstler abgebaut werden. Chapeau!

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:
Trash-Wert von Bildern und Grafiken:
Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:
Kundenansprache/Ankaufpsychologie:
Gesamteindruck:


Aug 02 2011

Hamburg – JBS Company Verschiffung und das glückliche Leben


Nüchterne Aussage, seherische Fähigkeit oder geschickte Drohung?

Der Künstler dieses Meisterwerks der zeitgenössischen Autokärtchenkunst versteckt sich hinter dem etwas sperrig klingenden Pseudonym “JBS Company Verschiffung“.  Doch der Künstlername ist mit Bedacht gewählt: JBS klingt wie das Buchstabenkürzel eines weltweit tätigen Konzerns und Company weist auf das internationale Geschäftsfeld der Unternehmung hin. Einzig und allein bei “Verschiffung” scheint die Wortwahl überarbeitungsbedürftig. Um ein stimmiges Klangbild zu schaffen, hätte sich hier ein moderner Begriff wie “International Automobile Experts” oder “Car Shipping Fulfilment Center” angeboten.

Auf der Vorderseite verwöhnt uns der Künstler mit der einzigartigen Verbindung eines ursprünglichen Biotops mit  Wildwiese und Knicklandschaft mit einer prächtigen Rose. Die Kombination eines Biosphärenreservats mit einem Symbol für die industrielle agrarwirtschaftliche Zuchtrosenproduktion steht für die Aussöhnung von alt und neu, Gefühl und Verstand sowie Sinn und Unsinn.

Wer sich über das Bildhafte so vortrefflich auszudrücken vermag, kann sich bei den Texten zurückhalten, und so erfolgt die Kundenansprache zunächst weitgehend sachlich; bloß die raffinierte Typographie sorgt dafür, dass es nicht zu langweilig wird.

Wenden wir uns nun dem eigentlichen Höhepunkt des Kunstwerks zu: Der Kartenrückseite. Wie magisch zieht eine prächtige Blume mit Margeritenähnlichen Anmutung vor einem dekorativen Orange-Gelb-Farbverlauf die Blicke des Betrachters auf sich. Das lebensbejahende und nahezu formatfüllende Symbolfoto wird von der prominent angebrachten Textzeile “Wir wünschen Ihnen viel Glück in Ihrem Leben!” geschmückt.

Eines Tages werden Sie uns brauchen!

Den oberen Kartenrand schmückt die Textzeile “50-100 € GESCHENKT“. Die links und rechts angebrachten Nägel versinnbildlichen jedoch sublimal, dass man den Wunsch nach diesem Geld getrost an den Nagel hängen kann.

Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva schrieb in ihrem Aufsatz “Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman” (1967): “Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes. An die Stelle des Begriffs der Intersubjektivität tritt der Begriff der Intertextualität, und die poetische Sprache lässt sich zumindest als eine doppelte lesen.” Und nichts verdeutlicht diese poststrukturalistische Intertextualitätstheorie mehr als die Wortwahl der so bedeutenden letzten Textzeile des Kunstwerks, die man als nüchterne Aussage, seherische Fähigkeit oder geschickte Drohung deuten kann: “Eines Tages werden Sie uns brauchen!

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:
Trash-Wert von Bildern und Grafiken:
Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:
Kundenansprache/Ankaufpsychologie:
Gesamteindruck:


Jun 02 2011

Hanau – Alteisensammlung: Auto, Herd und Waschmaschine


Darf Kunst Grenzen überschreiten oder muss sie es sogar gelegentlich?

Die Bildsprache des hier anonym bleibenden Künstlers ist in ihrer Schockwirkung schwer auszuhalten. Die Wirkung des zentral angeordneten Wortes “Alteisensammlung” auf warnfarben-gelb-getränktem Hintergrund muss jeden Fahrzeugbesitzer, der dieses Kärtchen an seinem Auto vorfindet, schwer verstören.

Die Mischung von strikt formaler Viertelkreis-Anordnung der die Kernbotschaft des Werkes vermittelnden Buchstaben auf einer monochromen Fläche mit der bildhaften Darstellung von Alltagsgegenständen ergibt eine Gesamtkomposition, die den Betrachter aus der Starre des abgestumpften Kunstliebhabers weckt, der schon alles gesehen zu haben glaubt. Auf diese Weise wird die naive Wirklichkeitserfahrung des Betrachters in Frage gestellt und nachgerade provozierend an den letzten Tabus des automobilen Kleinbürgers gerüttelt.

Die kontextuelle oder formale Verortung des Werks fällt nicht schwer: Hier geht es um eine gezielte Provokation, die den Betrachter innerlich aufwühlen, ja vielleicht sogar bewusst verletzen soll. Die cartoonhaften Abbildungen von Haushaltsschrott stellen eine weitere heilsame Verhöhnung des Betrachters dar.

Punktabzug muss es für die künstlerisch ungenutzte Rückseite geben, die z.B. für eine Auflistung der wichtigsten Strafen aus dem Bußgeldkatalog für wild gelagerten Sperrmüll hätte genutzt werden können. Trotzdem handelt es sich um ein Werk, das beim Betrachter tiefe Spuren hinterlässt und in seiner Wirkung bislang einzigartig ist.

 

Originalität Rechtschreibung/Grammatik:
Trash-Wert von Bildern und Grafiken:
Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:
Kundenansprache/Ankaufpsychologie:
Gesamteindruck:


Mai 31 2011

Berlin – Auto Export: Das Ende naht…


Einfühlsamer Begleiter in den Phasen von Trauer und Abschied

Selten hat ein Künstler deutlicher mit sich und der Welt gerungen als der Schaffer des hier vorliegenden Autokärtchens. Man spürt dem Werk des Berliner Endzeitapolegoten förmlich an, wie sein Urheber mit Angst und Schrecken, Zerstörung und Tod, Elend und Verderbnis sowie PC und Photoshop ringt.

Das fängt bereits bei der Vorderseite an. Ein schwarzes Audi-Cabrio, das ansonsten nur bei Begräbnissen von tragisch dahingeschiedenen Frühchen eingesetzt wird und eine mit edlem Granit ausgekleidete Trauerhalle bilden die Kulisse; der klassische Schriftzug unterstreicht den würdigen Rahmen der Szenerie.

Einen Punktabzug müssen wir beim PKW-Kennzeichen vornehmen, das es wahrlich verdient hätte, mit dem Namen des Künstlers oder dessen Unternehmung “Auto Export” versehen zu werden.

Die Textseite des ausdrucksstarken Werks ist mit einem dem Anlass entsprechenden schwarzen Untergrund versehen, von dem sich die weiße Schrift kontrastierend abhebt. Der normalerweise schwarz erscheinende  Trauerrand wurde der Farbensprache des Werks folgend invertiert und bildet nun den weißen Rahmen um das düstere Werk. Zwei Worte (Barzahlung /Sofortige) erscheinen passenderweise in roter Schrift, der Farbe des Lebens und der Liebe. Und auch ansonsten ist die Kundenansprache stimmig und zeichnet sich durch vollendete Höflichkeit in der Anrede (“Sehr geehrter Fahrzeuginhaber“) und dem folgenden Text (“Sollten Sie den Verkauf in Erwägung ziehen…) aus und ist fern jeder anbiedernden Aufdringlichkeit. Überhaupt hebt das verwendete Vokabular den Künstler wohltuend von seinen teilweise etwas ungehobelten Kollegen ab. Wo andere schreiben “Wir kaufen PKWs, LKWSs…” etc. wird hier vornehm vom “Einkaufsspektrum” gesprochen.

Insgesamt können dem Werk nur gute bis sehr gute Noten attestiert werden. Wer über ein Fahrzeug verfügt, das vorzeitig dahingeschieden ist und einen würdigen Bestatter sucht, dürfte hier bestens aufgehoben sein.


Originalität Rechtschreibung/Grammatik:

Trash-Wert von Bildern und Grafiken:

Einsatz verschiedener Schriften/Effekte:

Kundenansprache/Ankaufpsychologie:

Gesamteindruck:


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